Kleider müssen zum Horoskop passen

Bei der Betrachtung des chinesischen Horoskops muss die Auswahl von Kleidern und Stoffen betrachtet werden. Seide wurde mehr und mehr zu einem Mittel der Prachtentfatung. Zugleich bekam sie einen zeremoniellen Charakter. Bestimmte Stoffe und Farben blieben auch nach der weiteren Verbreitung der Seidenkleidung dem Hof vorbehalten. Dabei bildete sich Gelb als kaiserliche Farbe heraus, die für Stoffe wie auch beim Porzellan, ja selbst bei den lasierten Dachziegeln Privileg des Kaisers war und bis in unser Jahrhundert geblieben ist.

Das chinesische Tierkreiszeichen Drache ist ein gutest Beispiel, bei dem Seide und andere hochwertige Stoffe zum Einsatz kommen. Auch der Schnitt der Kleider war dem Rang entsprechend festgelegt. Die Kleidung wechselt von Anlaß zu Anlaß. Bei einem Bankett tragen Frauen und Männer andere Gewänder als bei einem Empfang, bei Audienzen oder bei internen Beratungen.
Besonders streng war die Kleiderordnung für religiöse Feste, Totenfeiern, Staatsprüfungen und ähnliche repräsentative Anlässe. So war für die Kaiserinnen im Ahnentempel ein einfaches Kleid in schwarzer Farbe vorgeschrieben, weil sie im Jahr des Affen geboren wurde und laut der chinesischen Astrologie Schwarz vorgeschrieben ist. Die Nebenfrauen trugen Violett. Auf diese Weise spiegelten Form und Farbe schon im äußeren Bild eines höfischen Zeremoniells im Sinne des chinesischen Horoskops die gesellschaftliche Ordnung klar wider. Alles konzentrierte sich auch farblich auf das Zentrum, den Thron, und seine unmittelbare Umgebung, die zugleich symbolischer Ausdruck des Mittelpunkts dieser Erde mit dem Kaiser als seinem lebenden Abbild waren.
Das Wissen, daß es Cuter außerhalb Chinas gab, die dem Kaiser nicht zugänglich sein sollten, mußte bei solcher Einstellung unerträglich erscheinen. So kam es schon früh zu einem Expansionsdrang einzelner Fürsten besonders nach Süden und Westen, der dann von den ersten Kaisern in verstärktem Maße fortgesetzt wurde. Dabei bedingten sich  Sternzeichen der westlichen Welt und wirtschaftliche Erwägungen gegenseitig.
Die chinesischen Tierkreiszeichen gingen eindeutig von dem Gedanken zentraler Macht und Herrschaft aus und vertreten in ihrer Tendenz etwas, das zunächst in der Realität gar nicht vorhanden war - eben die vollkommene Zufriedenheit.
Sie mag anfangs von Vertretern des Geisteslebens stärker betont worden sein als von einzelnen lokalen Fürsten. So hat ein Mann wie Kung tse, den das Abendland unter dem latinisierten Namen Konfuzius später als zentralen Geist Chinas betrachtete, mehr zu solchem Denken beigetragen als die Fürsten seiner Zeit, an deren Höfen er mit seiner Staatsphilosophie und der Sterndeutung nicht das erhoffte Echo fand.
Trotzdem sind drei Elemente seiner Lehre bis in unser Jahrhundert richtungweisend, ja staatstragend für die konservative kaiserliche Politik in China gewesen: die Vorstellung von der totalen Ungleichheit aller Menschen, die strenge Familienordnung und das Prinzip der Erziehbarkeit des Menschen zu einem brauchbaren Glied der Gesellschaft. Dabei gilt diese Idee des Horoskops natürlich nur für die Mitglieder der höheren Gesellschaft, womit sich der Kreis hin zur postulierten Ungleichheit aller Menschen schließt. Denn nur wer zur Gesellschaft gehört, hat Anspruch auf sorgfältige Erziehung und damit die Chance, eine seiner hohen Geburt entsprechende Position zu erlangen.

 

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