Musikstil und Mode

Mit der Ska-Musik haben die Skinheads einen Musikstil auserkoren, der einerseits ihrem sozialen Status - der gemeinsamen Herkunft aus der Arbeiterklasse - entspricht und sich auf der anderen Seite stark von der Rockmusik des Mainstream oder der oft psychedelischen Musik der damals angesagten Jugendkultur der Hippies unterscheide . Doch der Ska wandelt sich, wird immer langsamer, gemächlicher. Die schrillen Bläser werden von den Bass- und Rhythmusgitarren verdrängt und in den Texten setzt sich ein bleibendes Merkmal des Reggae fest: Der Protest gegen die Beherrschung durch Weiße. Solche Liedtexte sind jedoch eindeutig für Schwarze konzipiert und lassen sich nicht mehr mit der Lebensphilosophie der weißen Skinheads in Einklang bringen.

Anfang der 1970er Jahre spaltet sich die Jugendkultur: Die Älteren steigen aus und gründen eine Familie, die Jüngeren wenden sich einer anderen Jugendbewegung zu, die Mitte der 1970er Jahre aus dem Nichts erscheint: Den Punks . Da aber die Punks als Jugendkultur schnell kommerzialisiert werden, wenden sich einige Mitglieder von dieser Jugendkultur ab und wenden sich den Skinheads zu. So kommt es, dass einige sogenannte Punk-Bands sowohl für Skins als auch für Punks Musik machen, wodurch es auf Konzerten zu diversen Krawallen kommt, da es bezüglich der Wertvorstellungen der Fans - der Mitglieder dieser beiden Jugendkulturen - doch starke Differenzen gibt. Die aus dieser Punk-Ära entstandene Musik mit Namen Oi! geht auf die Band Cockney Rejccts zurück, die ihre Lieder nicht mit dem bisher üblichen „1, 2, 3" anstimmen, sondern mit einem zackigen „Oü, Oü, Oi!"20. Oi! ist also nichts anderes als ein britischer „Punk-Rock-Ableger" , dessen Interpreten und Anhänger Anfang der 1980er Jahre Stilelemente der Popmusik übernehmen, Oi! ist nur etwas „langsamer, härter und wird eher von Skinheads gespielt und gehört" . Die Textinhalte der verschiedenen Bands variieren sehr stark, die einen nehmen in ihren Texten bewusst auf rechte oder linke Weltanschauungen Bezug, während die anderen gänzlich unpolitische Dinge besingen. Oi!-Bands sind, im Gegensatz zu den Punk-Bands, bei denen der Musikerinnenanteil doch einen gewissen Grad erreicht hat , reine Männerbands, so wie sich die Skinheads auch als eine männlich geprägte Jugendkultur darstellen. Damit ist den Skinheads eine Dekade nach ihrer Entstehung mit der Oi!-Musik eine zweite Wurzel gewachsen.
Die Jugendkultur der Skinheads kultiviert ihre männliche Dominanz, ihre politischen Ansichten und die Zurschaustellung ihrer Herkunft nicht nur durch die Musik, sondern auch durch ein weiteres, typisch jugendkulturelles Stilelement: Nämlich zwei sehr unterschiedliche Tanzstile, das Skanken und den Pogo, die in Zusammenhang mit der Ska- und der Oi!-Musik betrachtet werden müssen.

Das Skanken ist vermutlich aus der Musikrichtung des Ska entstanden, und beim Zuschauen fühlt man sich stark an die Figuren und Bewegungen aus dem Twist erinnert, „Arme und Beine [ werden ] zur drehenden Beckenbewegung rudernd vom Körper wegbewegt, die Hände manchmal zu Fäusten geballt"' . Dabei wird der Körper nur auf der Stelle hin und her verlagert. Die Bewegungen wirken eher grobmotorisch und gleichen denen eines Hampelmannes, der zusätzlich noch den Rumpf bewegt. Getanzt wird entweder allcinc, oder man bildet eine Polonaise und skankt gemeinsam durch den Raum. Dabei wird allen ein eigener Tanzraum zugestanden, niemand kommt sich ins Gehege. Da dieser Tanzstil nicht aggressiv ist, ergibt sich eine gewisse Ambivalenz bezüglich des Körpergebrauches, denn einerseits wollen Skinheads nach außen hart wirken, tanzen dann aber in einer gewissen Ordnung mit anderen und nehmen dabei Rücksicht aufeinander. Vermutlich wollen sie damit auf ihr Gemcinschaftsbewusstsein, auf ihr Eingebundensein in die Gesellschaft und, durch die Ordnung, auf ihre liebe zur Tradition hinweisen.

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